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un film de Laurent Boutonnat
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Im Alter von vierundsiebzig Jahren ist er noch einer der am meist gefragten Dekorateure des französischen Kinos. Er hat mit Jean Cocteau, René Clement, Roman Polanski, Bertrand Tavernier, Milos Forman und vielen anderen gearbeitet. Im Jahre 1994 gewährt er unter anderem ein Interview, wo er seine Arbeit über Giorgino und seine "Beziehung" zu Laurent Boutonnat enthüllt. Pierre Guffroy ist ein Dekorateur, der in seinem Beruf, aber sehr wenig der breiten Öffentlichkeit bekannt ist. Er ist ein Künstler, der mit den größten Namen gedreht hat.

Pierre Guffroy, der besonders vom Surrealismus fasziniert ist und der es liebt über seine Arbeit zu reden, ist ein diskreter und bescheidener Mann, erfüllt mit Leidenschaft, ein echter Künstler, wie man davon nur noch wenige in der Welt des Kinos findet.

Vielleicht sahen Sie den Film, "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" von Philip Kauffmann, um nur einen zu nennen...


Wann haben Sie mit dem Projekt "Giorgino" begonnen?

Pierre Guffroy: Drei oder vier Jahre zuvor hatte Laurent Boutonnat begonnen, mit mir über das Projekt Giorgino zu sprechen. Wir sind dann losgezogen um einen passenden Drehort zu finden. Im Laufe dieser Zeit erklärte mir Laurent, welche Atmosphäre er sich für diesen Film wünschen würde. Er wollte auf keinen Fall in Richtung eines realen Elends gehen, er wünschte sich eine Art "verfaulte" Atmosphäre. Das heißt, er wollte, dass vom Beginn bis zum Schluss seines Films, kein "schönes" Dekor entstand, aber, dass man gänzlich in eine gespannte, beunruhigende Umgebung getaucht wird. Da wir keinen so verlassenen Raum in Frankreich fanden, der diese Atmosphäre wiedergab, ist die Entscheidung recht schnell getroffen worden, in der Slowakei zu drehen. Diese unberührten "jungfräulichen" und beunruhigenden Landschaften dort, war nicht noch mal so zu finden.

Wie legten sich die ersten Entwürfe für das Dekor fest?

Das Szenario erlaubte bereits, eine Art Topographie der Orte zu ziehen. Für das Waisenhaus zum Beispiel, habe ich mich an diese Art trauriger und veralteter Einrichtungen, die irgendwo abgelegen und verlassen auf dem Lande gelegen waren, erinnert. Dann beginnt man, sich die Verteilung der Stücke vorzustellen und Pläne gemäß in den Szenen gegebenen Hinweisen, den Lichtquellen und den Kameraeinstellungen zu ziehen. Ich mache immer viele Zeichnungen. Dann habe ich angefangen Modelle zu bauen, was ideal ist, selbst wenn ich persönlich viel lieber mit dem Augenmaß arbeite, also ohne präzisen Plan. Ich mag es zu improvisieren. Die Modelle erlauben außerdem, alle Probleme mit dem Regisseur und seinem Team direkt aufzuarbeiten und offene Fragen zu regeln, wie beispielsweise das Budget genau zu beziffern.

Dann haben Sie die Verwirklichung des Dekors in Angriff genommen, in wie viel Zeit ist es verwirklicht worden?

Zwischen dem 15. September und 15. Dezember 1992 ungefähr. Wir haben begonnen, die Dekors des Waldes und den Sümpfen sowie das Innere des Waisenhauses in den riesigen "Barrendov-Studios" in Prag herzustellen. In derselben Zeit haben wir in der Slowakei mit der ganze Konstruktion des Dorfes, mit der Kirche und dem Friedhof, dem Haus von Catherine, dem Gasthof u.s.w. begonnen.

In der Slowakei treffen Sie auf ein riesig großes Gelände unberührter Natur, wo man noch alles bauen muss?

Ja, ich bin auf eine ausgedehnte Heide angekommen, die von "bösartigen" Stürmen durchquert wurde und bei jedem großen Regen überlief. Die Stelle von "Contre -Plaqué" hat uns ein Vermögen gekostet, zum Glück haben sie uns tonnenweise Tannenstücke gebracht. Die Dekors konnten dadurch nicht abfliegen, glücklicherweise, denn wir waren ständig von heftigen Stürmen umgeben.

Welche waren Ihre größten Sorgen zum Zeitpunkt der Ausarbeitung des Dekors?

Es waren wirklich viele Sorgen die man in dieser Umgebung bei der Ausarbeitung des Dekors hatte. Ich habe mit den falschen Maßstäben gespielt, den seltsamen Verschiebungen, den geheimen Türen, den Materialien. Zum Beispiel ist es nicht einfach, einen Gang interessant zu machen, man muss einen gewissen Anteil zwischen der Breite, der Höhe und der Länge regulieren. Für den Gasthof habe ich Niveauunterschiede benutzt, um den Eindruck zu erwecken, dass sich ein Teil im Untergeschoss befindet, dabei fühlt man dann die Feuchtigkeit des verfaulten. Es gibt auch kleine Dinge die man beachten muss, wie das richtige Anbringen der Türklinke, sie darf nicht zu hoch und nicht zu tief sein, sonst sieht es komisch aus, man fängt an sich Fragen zu stellen und das darf auf gar keinen Fall passieren.

Die Zimmer des Waisenhauses lassen an die Kammer der sieben Zwerge mit ihren kleinen Betten erinnern...

Ja, der Gang ist fast normal, dann gehen Sie durch eine schon etwas niedrige Tür in ein Zimmer hinein, wo alle Betten nicht im selben Maßstab sind, was erlaubt, viele kleine Betten zu stellen und schon kommt einem das Stück fremd vor. Dekorateur, ist es ein Handwerk, das täuschen soll ! Aber man darf den Schauspielern diese Betrügereien niemals zeigen, sie gehen dann spontan auf das Dekor ein und spielen ihr Spiel. Wenn das funktioniert, ist es ein Vergnügen.

Die Accessoires helfen diese besondere Atmosphäre zu verstärken.

In den "Barrendov -Studios" gibt es einen gewaltigen Bestand von Möbeln aus dem Ende des letzten Jahrhunderts, in dem ich genau finden konnte was ich suchte, denn es gibt keinen Möbelvermieter in Prag und wir hatten nichts aus Frankreich mitzubringen. Mehr als der Stil oder die historische Wahrheit, sind es die anderen Anteile die wichtig sind. Ich habe gedacht, dass man in diesen feuchten und veralteten Provinzhäusern, die besonders von der braunen Eiche, welche durch die Zeit angegriffen wurde und durch das Verschimmeln des Holzes, bei dem man einen verdächtigen Geruch verspürt, die richtige Atmosphäre finden kann. Man muss all das Leben auf dem Bildschirm fühlen, andernfalls entkommt ihnen die Atmosphäre. Die Vorhänge, die Teppiche, es ist sehr wichtig, dass sie schwer und dunkel sind, dass sie einst gelebt haben, dass sie die Vergangenheit fühlen, selbst wenn man alles nicht sieht, es lebt ... Es reicht aus, einige sehr wahrhaftige Elemente zu vermischen, um das Zeitalter zu beenden.

Wie haben Sie Ihre Farbpalette definiert bzw. zusammengestellt?

Man hat einen zu dunkelbraunen Ton abgelehnt. Es ist vorzuziehen, sich nicht der plastischen Malerei zu bedienen, denn der ganze "Ohrfeigedekor" spiegelt sich dabei wider, und Sie sehen, wie in zahlreichen Filmen die jetzt erscheinen, Tonalitäten des Grüns und des blauen am Bild. Ich habe meinen ganzen alten Bestand gemalter Papiere vom Beginn des Jahrhunderts mitgebracht, den ich immer dabei habe. Durch den Regen dort verwandelte sich der Dekor ständig in eine andere Art von Lehm, was perfekt für den Film war. Ich habe die Idee gehabt, den Gasthof mit "Strohlehm" zu bauen, diese Art von Lehm vermischt mit Erde und mit Stroh, was viel besser war als eine Nachahmung falschen Steines auf Holz!

Hat die ständige Kälte nicht auch Ihre Arbeit beeinflusst oder gestört?

Nicht wirklich, selbstverständlich veränderte sich die Malerei wenn sie zuerst nass wurde und dann wieder trocknete, dies hinterließ große Spuren. Es ist wahr, es war sehr kalt, besonders für das Team das davon betroffen war. Laurent ist sehr mutig, er liebt die Kälte sie hat ihn nie gestört. Mich behindert die Kälte auch nicht. Laurent hat immer gearbeitet, so wie er es immer tat, er passte den Drehplan einfach an das schlechte Wetter an.

Was bereuen Sie am meisten an diesem Abenteuer?

Ich bereue es, nicht das gewünschte Dekor so realisiert zu haben, wie ich es eigentlich wollte. Ich habe da einige schlechte Erinnerungen, da die Verwaltung dort sehr schwer und mühsam war, dadurch, dass das Land früher kommunistisch gewesen ist. Jetzt gibt es viel weniger Probleme als zuvor, aber es bedarf viel Geduld. Sobald sie dort ankommen, müssen sie mit der Faust auf den Tisch hauen und stur bleiben, dann geht es langsam vorwärts. Das verursacht schließlich sehr sonderbare Szenen!

Welches sind Ihre Geschmäcke hinsichtlich des Dekors?

Ich habe eine Periode gehabt, wo ich nur historische Filme machen wollte. Jetzt ziehe ich die etwas phantastischen Filme wie jener von Laurent vor, die wirklich seltsamen Filme. Man hat die Gewohnheit zu sagen, dass träumen etwas übersinnliches ist, dass man auf Erden nicht finden kann. Ich denke jedoch, man kann phantastisches schon bei sich im Schlafzimmer finden ! Im Film von Laurent zum Beispiel, musste man die Atmosphäre und das Licht fühlen, die sich von den Orten freisetzen. Das Dekor muss seine eigene Anwesenheit haben, denn es ist eine Persönlichkeit des Films.

Übersetzung durch Melanie Hoen

Giorgino Pressdossier Interview mit Pierre Guffroy Datum: 1994
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